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Physiotherapie nach Rippenfraktur

  • 7. Dez. 2023
  • 3 Min. Lesezeit

Aktualisiert: 22. Feb.


Physiotherapie bei Rippenbruch, Atemtherapie bei Rippenbruch

Eine Rippenfraktur kann die Atmung, Beweglichkeit und Leistungsfähigkeit erheblich beeinträchtigen. Auch wenn der Knochen in vielen Fällen ohne operative Maßnahmen heilt, bedeutet das nicht automatisch, dass Funktion, Belastbarkeit und Bewegungsqualität von selbst zurückkehren.


In diesem Artikel erfährst du,

  • warum die Atmung eine Schlüsselrolle spielt,

  • weshalb Schonung allein nicht ausreicht

  • und wie Physiotherapie und gezieltes Atemtraining den Heilungsverlauf sinnvoll unterstützen können.



Warum die Atmung nach einer Rippenfraktur so wichtig ist


Atmung ist nicht nur ein passiver Vorgang – sie ist eng mit Energieversorgung, Bewegung und Stabilität verknüpft.

Das Gehirn verbraucht bereits in Ruhe etwa 20 % des gesamten Energieumsatzes. Bei Koordination, Haltungskontrolle und Bewegung steigt dieser Bedarf weiter an. Auch die Skelettmuskulatur ist auf eine ausreichende Sauerstoffversorgung angewiesen, um effizient arbeiten zu können.


Nach einer Rippenfraktur kommt es jedoch häufig zu:

  • Schmerzbedingter Schonatmung

  • Reduzierter Brustkorbbewegung

  • Verminderter Belüftung einzelner Lungenabschnitte


Die Folgen können sein:

  • schnelle Ermüdung

  • reduzierte Belastbarkeit

  • erhöhtes Risiko für Atemwegsinfekte


Deshalb hat das Training der Atmung – angepasst an die Schmerzgrenze – frühzeitig einen hohen Stellenwert.


„Eine Rippenfraktur heilt in der Regel von selbst“ – stimmt das?


Für den Knochen trifft diese Aussage meist zu.Für die Funktion allerdings nicht automatisch.

Denn:

Use it – or lose it.

Wenn sich der Brustkorb über Wochen kaum bewegt und bestimmte Muskeln nicht aktiv genutzt werden, kann das Nervensystem diese Strukturen zunehmend „ausblenden“. Muskeln, die nicht regelmäßig angesteuert werden, verlieren an Koordination und Kraft – selbst wenn sie anatomisch intakt sind.


Ohne gezielte Reize kann es daher zu:

  • anhaltender Steifheit

  • eingeschränkter Atembewegung

  • kompensatorischen Fehlhaltungen

kommen.


Wissenschaftliche Grundlage: Physiotherapie nach Rippenfraktur


Die Bedeutung von Atemtherapie und früher Mobilisation ist wissenschaftlich gut belegt.

Eine systematische Übersichtsarbeit von Shafiq et al. (2022) zeigte, dass physiotherapeutische Interventionen nach Rippenfrakturen:

  • die Lungenfunktion verbessern

  • das Risiko für Atemwegsinfekte reduzieren

  • Schmerzen verringern

  • und die funktionelle Beweglichkeit fördern können


Besonders relevant ist dabei die Kombination aus:

  • Atemtraining

  • früher Mobilisation

  • gezielter Aktivierung der Atem- und Rumpfmuskulatur


Akutphase: Schmerzreduktion und Sicherung der Atmung


In den ersten Tagen nach der Fraktur steht die Schmerzkontrolle im Vordergrund. Schmerz ist einerseits ein Schutzmechanismus, kann andererseits aber die Atmung stark einschränken.


Wichtige Maßnahmen:

  • Schmerztherapie in Rücksprache mit dem Arzt

  • Reduktion unnötiger Belastungen

  • ggf. äußerliche Stabilisierung z. B. Kinesiotape


Beim Husten oder Niesen kann es helfen:

  • den Kopf zur Seite zu drehen

  • in die Ellenbeuge zu niesen

  • den Rippenbereich von außen sanft zu stützen

So werden die entstehenden Kräfte besser über den Oberkörper verteilt.


Atemübungen in der Akutphase


Ziel ist es, die Lungenbelüftung aufrechtzuerhalten, ohne die Fraktur unnötig zu belasten.

Bewährte Ansätze:

  • Atemlenkung in den Bauchraum, um tiefer zu atmen, ohne den Brustkorb stark zu bewegen

  • Stenoseatmung (verlängerter Ausatemstrom, z. B. über ein Nasenloch oder gespitzte Lippen)

  • CO₂-toleranzfördernde Atemtechniken, die indirekt die Sauerstoffabgabe im Gewebe unterstützen


Diese Techniken benötigen Anleitung und Übung, sind aber ein zentraler Bestandteil der frühen Rehabilitation.


Subakutphase: Beweglichkeit angrenzender Strukturen


Sobald die Schmerzen nachlassen, rückt die Wiederherstellung der Beweglichkeit in den Fokus. Durch Schonhaltung sind häufig betroffen:

  • Schulter und Schultergürtel

  • Hals- und Brustwirbelsäule

  • Lendenwirbelsäule


Ziel ist es, Steifheit abzubauen und normale Bewegungsmuster schrittweise zurückzugewinnen.


Schulter und Schultergürtel

  • Pendelübungen

  • Wandkletterübungen

  • sanfte Kreisbewegungen


Hals- und Brustwirbelsäule

  • kontrollierte Rotationen

  • mobilisierende Extensionsbewegungen (z. B. „Katze–Kuh“)


Lendenwirbelsäule

  • Beckenkippbewegungen

  • Bridging-Übungen zur Rumpfkontrolle


Parallel werden die Atemübungen aus der Akutphase weitergeführt und angepasst.


Rehaphase: Belastbarkeit und Rückkehr in Alltag & Sport


In der Rehaphase geht es darum, den Brustkorb wieder an Alltags- und Belastungssituationen zu gewöhnen.

Schwerpunkte:

  • progressive Kräftigung von Rumpf- und Stützmuskulatur

  • gezielte Mobilisation von Rippen, Brustwirbelsäule und Zwerchfell

  • funktionelles Training (je nach Ziel auch mit Sprüngen oder Stoßbelastungen)

  • Erweiterung der Atemtechniken (z. B. 3D-Atmung)


Zusammenfassung


Nach einer Rippenfraktur geht es nicht nur darum, dass der Knochen heilt – entscheidend ist die Wiederherstellung von Atmung, Bewegung und Belastbarkeit.

  • Schonung allein reicht nicht aus

  • Atmung ist ein zentraler Faktor für Heilung und Leistungsfähigkeit

  • Gezielte Physiotherapie hilft, Fehlhaltungen und Spätfolgen zu vermeiden

Ein strukturiertes, individuell angepasstes Vorgehen ist der Schlüssel für eine sichere und nachhaltige Rückkehr in Alltag und Sport.


Mach's nicht irgendwie. Mach's smart!


Daniel Sturm


Train smart. Reach goals.

Physiotherapeut / Heilpraktiker / Neuroathletik-Trainer







 
 
 

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