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Physiotherapie nach Rippenfraktur


Physiotherapie bei Rippenbruch, Atemtherapie bei Rippenbruch

Grundsätzliches:

Die Atmung ist entscheidend für die Energieerzeugung im Körper. Das Gehirn benötigt selbst im Ruhezustand etwa 20% des Grundumsatzes an Energie, was sich bei der Koordination von Bewegungen steigert. Ebenso verlangt die Skelettmuskulatur Energie für die Ausführung von Bewegungen. Eine flache Atmung aufgrund von Verletzungen und Schonhaltung beeinträchtigt die Energieversorgung und Leistungsfähigkeit. Eine schlechte Belüftung der Lungen erhöht außerdem das Risiko für Atemwegsinfekte. Daher hat das Training der Atmung höchste Priorität, soweit der Schmerz es zulässt.


"Eine Rippenfrakture heilt in der Regel ohne medizinisches Zutun aus."


Für den Knochen alleine mag das zutreffen. Funktionell gesehen gilt allerdings:


"Use it, or lose it!"


Wenn sich der Brustkorb aufgrund der Schmerzen weniger bewegt und bestimmte Muskeln weniger genutzt werden, können schon wenige Wochen reichen, dass diese fürs Gehirn vom Radar verschwinden. Ohne gezieltes Training werden diese Muskeln nicht mehr mit einbezogen, weil das Gehirn verlernt hat, sie zu nutzen.


Akutphase: Schmerzreduktion

In der Akutphase nach der Rippenfraktur steht die Schmerzreduktion im Vordergrund. Schmerz dient einerseits als Schutzmechanismus, andererseits kann dieser zu einer Abflachung der Atmung führen. Schmerzmittel sollten nach Rücksprache mit dem behandelnden Arzt verwendet werden. Zudem ist es ratsam, Belastungen im Alltag auf das Notwendigste zu reduzieren.


Ein Bauchgurt um den Brustkorb kann äußere Stabilität bieten, während Kinesio Tape sensorisch und mechanisch unterstützt.

Beim Husten oder Niesen kann es helfen, den Kopf zur Seite zu drehen und in die Ellenbeuge zu niesen. Die andere Hand hält und stützt von außen den Rippenbereich.

Dadurch verteilen sich die Kräfte, die bei der Kontraktion des Zwerchfells entstehen, besser über den Oberkörper.


Verschiedene Atemübungen helfen die Energieversorgung sicherzustellen und die Lungen zu belüften:

  • Eine bewusste Atemlenkung in Richtung Bauch erlaubt tiefes Atmen, ohne die Rippen zu belasten. Diese Atemtechnik bedarf Übung, um sie zu meistern.

  • Die sogenannte Stenoseatmung verlängert den Atemstrom. Erzielt wird dies z.B. durch das Atmen, durch nur ein Nasenloch oder einen Strohhalm.

  • Mit der Tüten-Atmung können wir die CO2-Toleranz und die O2-Aufnahmefähigkeit verbessern. Denn diese ist abhängig vom CO2-Gehalt. (Bohr-Effekt)

Subakutphase: Beweglichkeit angrenzender Gelenke

Wenn die Schmerzen mit der Zeit in den Hintergrund rücken, geht es darum, die Beweglichkeit angrenzender Gelenke schrittweise wiederherzustellen. Wir konzentrieren uns auf das progressive Training der Beweglichkeit von Schulter, Schultergürtel, Hals- und Lendenwirbelsäule. Bisherige Atemübungen werden in dieser Phase weiter gesteigert.


Rehaphase / Übergang in Alltag und Sport: Steigerung der Belastung

In der Rehaphase steht die Kräftigung Ihrer Muskulatur im Fokus. Wir integrieren ein progressives Training der Kraft für Rumpf- und Stützmuskulatur sowie Armkraft. Je nach Ziel beziehen wir ein progressives Sprungtraining mit ein, um den Brustkorb wieder an Erschütterungen zu gewöhnen. Gleichzeitig verbessern wir gezielt die Beweglichkeit von Brustwirbelsäule, Rippen und Zwerchfell. Atemtechniken wie 3D-Atmung und Atemlenkung in Richtung Brustkorb werden einbezogen.


Zusammenfassung:

Nach einer Rippenfraktur geht es nicht nur darum, dass der Knochen wieder heilt, sondern vor allem darum, dass Funktionen wiederhergestellt werden. Die Erkenntnis, dass "Use it, or lose it!" gilt, verdeutlicht die Notwendigkeit eines gezielten Trainings, um Muskeln nicht aus dem Fokus des Gehirns verschwinden zu lassen.

Während die Akutphase auf Schmerzreduktion und äußere Stabilisierung abzielt, weisen die Subakut- und Rehaphasen den Weg zur schrittweisen Rückkehr zu normalen Bewegungsmustern. Hier spielt die Atemtherapie eine entscheidende Rolle. Der Schlüssel liegt in einem strukturierten, individuell angepassten Programm, um Schonhaltungen und Spätfolgen zu vermeiden!


Mach's nicht irgendwie. Mach's smart!


Daniel Sturm


Train smart. Reach goals.

Physiotherapeut / Heilpraktiker / Neuroathletik-Trainer







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