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Ganzheitliche Therapie:

  • danielsturmphysio
  • vor 10 Stunden
  • 5 Min. Lesezeit

Warum Strukturdiagnosen allein oft nicht ausreichen


Ganzheitliche Therapie in München

Ganzheitliche Therapie ist heute ein häufig verwendeter Begriff. Doch was bedeutet er fachlich – und wann ist er mehr als nur ein Schlagwort?

Viele Menschen suchen Therapie, weil etwas schmerzt, nicht mehr belastbar ist oder sie im Alltag einschränkt. Häufig steht am Anfang eine medizinische Diagnose: ein Bandscheibenvorfall, Arthrose oder ein „blockiertes“ Gelenk. Diese Befunde beschreiben, wie etwas aussieht. Sie erklären jedoch selten, warum Beschwerden entstanden sind – oder warum sie bestehen bleiben.

Dieser Artikel erklärt den Unterschied zwischen Strukturdiagnosen und Funktionsdiagnosen, warum echte Ganzheitlichkeit das Nervensystem und den Alltag einbeziehen muss – und weshalb nachhaltige Gesundheit nicht durch eine einzelne Behandlung entsteht, sondern durch das Zusammenspiel mehrerer Ebenen.


Strukturdiagnose: Was sichtbar ist


Viele Menschen kommen mit einer klaren Erwartung in die Therapie:

„Es ist was kaputt – bitte repariere es.“

Ein Bandscheibenvorfall. Arthrose. Ein „blockiertes“ Gelenk.

Das sind Strukturdiagnosen. Sie beschreiben, wie Gewebe aussieht.


Wann Strukturdiagnosen wichtig sind

Eine Strukturdiagnose richtet den Blick auf:

  • Knochen

  • Bandscheiben

  • Sehnen

  • Gelenke

Sie ist besonders relevant bei:

  • sogenannten Red Flags

  • akuten Verletzungen

  • neurologischen Ausfällen

  • operativen Fragestellungen

Strukturdiagnosen helfen zu entscheiden, was ausgeschlossen oder dringend behandelt werden muss.

Was sie oft nicht beantworten:

Warum ist es genau so gekommen – und warum gerade jetzt?

Funktionsdiagnose: Wie das System arbeitet


Eine Funktionsdiagnose stellt andere Fragen:

  • Wie belastbar ist das System insgesamt?

  • Wie gut kann es Kräfte aufnehmen, verteilen und regulieren?

  • Wie reagiert der Körper auf Stress, Bewegung und Erholung?

In der funktionellen Medizin und modernen Physiotherapie gilt deshalb ein zentraler Grundsatz:

Struktur ist oft das Ergebnis – nicht die Ursache.

Anpassung statt Reparatur


Solange man sich nicht sofort unters Messer legen möchte, bleibt ein entscheidender Hebel:

Strukturen müssen belastbarer gemacht werden – nicht geschont bis zur Perfektion.

Gewebe passt sich an. Immer.

Aber nicht:

  • durch ein einzelnes Tool

  • durch eine bestimmte Technik

  • durch eine „richtige“ Therapieform


Sondern durch gezielte Trainingsreize, die:

  • dosiert sind

  • regelmäßig wiederholt werden

  • sinnvoll gesteigert werden


Es gibt keine Therapie, die gesund macht. Es gibt nur Reize, auf die der Körper reagiert.


Wenn Ganzheitlichkeit bei Faszienketten endet


In vielen therapeutischen Konzepten wurde die lokale Betrachtung erweitert:

  • Statt nur dem schmerzenden Gelenk werden Zusammenhänge berücksichtigt

  • Muskeln, Faszienketten und benachbarte Regionen werden einbezogen

  • Der Körper wird als „Einheit“ behandelt


Das ist ein Fortschritt gegenüber reiner Symptombehandlung.

Aber es bleibt eine strukturelle Perspektive.

Auch wenn mehrere Regionen manuell behandelt werden, liegt der Fokus weiterhin auf:

  • Spannung

  • Mobilität

  • Gewebequalität

  • Kraft


Sachlich formuliert:

Eine erweiterte Strukturtherapie ist noch keine ganzheitliche Therapie.

Das fehlende Element: das Nervensystem


Bewegung, Stabilität, Spannung und Schmerz entstehen nicht im Gewebe allein.Sie entstehen aus der Verarbeitung im Nervensystem.

Das Nervensystem entscheidet:

  • wie sicher sich Bewegung anfühlt

  • wie viel Spannung aufgebaut wird

  • wie Belastung toleriert wird

  • wie schnell Anpassung möglich ist


Eine neurozentrierte Perspektive bezieht diese Ebene bewusst mit ein.

Sie fragt nicht nur:

  • Was ist eingeschränkt?


Sondern auch:

  • Wie wird Bewegung wahrgenommen?

  • Wie gut ist die Orientierung im Raum?

  • Wie stabil ist die Regulation unter Belastung?


Ohne diese Ebene bleibt Therapie häufig an der Oberfläche, selbst wenn sie technisch sehr sauber durchgeführt wird.


Wahrnehmung als Grundlage von Bewegung


Das Nervensystem arbeitet auf Basis von Information:

  • visuelle Reize (Sehen)

  • Gleichgewicht (vestibulär)

  • Körperwahrnehmung (Propriozeption)

  • innere Signale wie Atmung, Spannung und Erschöpfung


Wenn diese Informationen:

  • unscharf

  • widersprüchlich

  • oder dauerhaft überlastet


verarbeitet werden, reagiert der Körper häufig mit:

  • erhöhter Spannung

  • Schonhaltungen

  • eingeschränkter Belastbarkeit

  • Schmerz


Eine Therapie, die Wahrnehmung und Nervensystem nicht einbezieht, behandelt oft die Folgen, nicht die zugrunde liegenden Mechanismen.


Ganzheitliche Therapie endet nicht an der Therapiebank

Gesundheit entsteht nicht in der Therapie – sondern im Alltag.

Therapie kann Impulse setzen, Voraussetzungen schaffen und Orientierung geben. Anpassung entsteht jedoch durch das, was regelmäßig passiert.

Dazu gehören unter anderem:

  • tägliche Bewegung (oder deren Fehlen)

  • Belastung und Erholung

  • Schlaf

  • Stress

  • Ernährung

  • Regeneration


Diese Ebenen wirken ständig auf das Nervensystem und damit auf:

  • Spannungsregulation

  • Gewebequalität

  • Belastbarkeit

  • Schmerzverarbeitung


Struktur ist oft die Folge – nicht das eigentliche Problem


Viele strukturelle Veränderungen sind Anpassungsreaktionen:

  • auf monotone Belastung

  • auf fehlende Regeneration

  • auf Dauerstress

  • auf eingeschränkte Bewegungskompetenz


Sie zeigen:

Wo das System an seine Grenze gekommen ist.

Nicht zwingend:

Warum genau dort.

Was ganzheitliche Therapie fachlich bedeutet


Sachlich und fachlich formuliert heißt das:

  • Faszienketten allein machen Therapie nicht ganzheitlich

  • Ganzheitlichkeit setzt die Einbeziehung des Nervensystems voraus

  • Wahrnehmung, Regulation und Belastungsverarbeitung sind zentrale Ebenen

  • Der Alltag ist ein entscheidender therapeutischer Faktor

  • Alle Ebenen beeinflussen sich gegenseitig

Erst dann ist der Begriff „ganzheitliche Therapie“ fachlich angemessen.


Warum mehrere Ebenen betrachtet werden sollten


In der Therapie geht es häufig nicht darum, eine einzelne Struktur zu „reparieren“.Vielmehr steht die Frage im Raum, wie das gesamte System belastbarer werden kann.

Solange keine akute Operationsindikation besteht, gilt ein grundlegendes Prinzip:

Strukturen passen sich an das an, was regelmäßig von ihnen verlangt wird.

Beschwerden entstehen dabei selten isoliert auf einer Ebene.Sie entwickeln sich häufig aus dem Zusammenspiel mehrerer Faktoren.

Deshalb kann es sinnvoll sein, nicht nur das betroffene Gewebe zu betrachten, sondern auch weitere Ebenen einzubeziehen, die einen Einfluss auf Anpassung und Belastbarkeit haben können, wie zum Beispiel:

  • das Nervensystem

  • die Wahrnehmung

  • die Belastungsverarbeitung

  • und den Alltag


Nicht ein einzelnes Tool. Nicht eine bestimmte Technik.Sondern das Zusammenspiel aller relevanten Ebenen entscheidet darüber, wie gut ein System mit Belastung umgehen kann.


Mach den Selbst-Check!


Wenn Gesundheit und Belastbarkeit aus dem Zusammenspiel mehrerer Ebenen entstehen, kann es hilfreich sein, den Blick über die aktuell betroffene Struktur hinaus zu richten.

Der folgende Fragebogen lädt dazu ein, zu prüfen, in welchen anderen Bereichen möglicherweise noch Potenzial liegt, das Einfluss auf Regeneration, Belastbarkeit und Anpassungsfähigkeit haben kann.

Er ersetzt keine Diagnose und keine therapeutische Einschätzung. Er bietet vielmehr eine strukturierte Möglichkeit, verschiedene Ebenen wie Bewegung, Regeneration, Ernährung, Schlaf und mentales Wohlbefinden nebeneinander zu betrachten.


Der Selbst-Check dient dabei nicht der Bewertung im Sinne von richtig oder falsch, sondern der Orientierung:

  • Wo entsteht aktuell Belastung?

  • Wo fehlt möglicherweise Ausgleich?

  • Welche Bereiche beeinflussen sich gegenseitig?


Gerade weil Symptome häufig nicht isoliert entstehen, kann ein solcher Überblick helfen, Zusammenhänge sichtbar zu machen und neue Perspektiven zu eröffnen.



Wissen allein verändert noch nichts


Die meisten Menschen wissen bereits, wo ihre Herausforderungen liegen. Sie wissen, dass mehr Bewegung guttun würde. Dass eine ausgewogenere Ernährung sinnvoll wäre. Dass Schlaf, Pausen und weniger Dauerstress hilfreich wären.

Und trotzdem ändert sich im Alltag oft wenig.

Nicht aus mangelnder Motivation, sondern weil:

  • unklar ist, wo konkret anzusetzen wäre

  • alles gleichzeitig wichtig erscheint

  • Veränderungen im Alltag schwer umzusetzen sind

  • Rückmeldung fehlt, ob man auf dem richtigen Weg ist


Zwischen Wissen und Veränderung liegt oft eine große Lücke.


Klare Ziele und Begleitung können helfen


Was vielen hilft, ist nicht noch mehr Information, sondern:

  • Klarheit, welcher Bereich aktuell den größten Hebel hat

  • realistische Ziele, statt idealer Vorsätze

  • Struktur, um Veränderungen in den Alltag zu integrieren

  • und bei Bedarf professionelle Begleitung, um Reize sinnvoll zu setzen und anzupassen


Mach's nicht irgendwie. Mach's smart!


Daniel Sturm

Train smart. Reach goals.

Physiotherapeut / Heilpraktiker / Neuroathletik-Trainer

 
 
 

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